Abgeschlossenes Forschungsprojekt Sonderforschungsbereich Materiale Textkulturen
Mehr als 160 Forscherinnen und Forscher haben am SFB „Materiale Textkulturen“ Geschriebenes untersucht, das auf vormodernen Artefakten zu finden ist. Das Interesse richtete sich dabei auf die spezifische materiale Beschaffenheit und die dadurch evozierte Präsenz der beschrifteten Artefakte und des Geschriebenen selbst.
Der SFB wählte seine Untersuchungsobjekte in erster Linie aus solchen Kulturen, in denen keine Verfahren der massenhaften Produktion von Geschriebenem verfügbar oder verbreitet waren oder sind. Dazu gehörten z. B. antike Statuenbasen, mit Keilschrift beschriebene Tontafeln aus Mesopotamien oder Schriftzeichen an mittelalterlichen Bauwerken.

Teilprojekt A 01
Beschriebenes und Geschriebenes im städtischen Raum der griechisch-römischen Antike und des Mittelalters
Up2: Spätantike Inschriftenkultur(en) im Imperium Romanum – zum Wandel von Kommunikationsstrukturen und Kommemorationsmedien am Ende der Antike (3.-7. Jh.)
Die Monogramm-Kapitelle der Hagia Sophia. Das frühbyzantinische Kapitell als Textträger
Das Projekt hat zum Ziel die Monogramm-Kapitelle der Hagia Sophia über ihre Bedeutung als Träger der Stifter hinaus als Schrift-Träger zu untersuchen.
Up2b: Materialität und Präsenz beschrifteter Artefakte in den Nekropolen des Rauen Kilikiens
Die Auseinandersetzung der Kilikier mit Tod und Jenseits prägt heute noch die Topographie dieser antiken Kulturlandschaft der Südtürkei, die im Osten an Syrien, im Westen an Pamphylien angrenzt. Davon zeugen zahlreiche erhaltene Grabstätten, die den Reichtum, die Vielfalt und Bedeutung dieser Räume und Denkmäler für ihre Gesellschaft eindrucksvoll präsentieren. Dieses Projekt setzt sich mit funerären Räumen von Siedlungen mit unterschiedlichem Charakter auseinander und eratbeitet ein möglichst differenziertes Bild des Sepulkralwesens im Rauen Kilikien.
Projektteilnehmer*innen:
- Prof. Dr. Christian Witschel
- Prof. Dr. Stephan Westphalen
- Fabian Stroth
- Katharina Bolle
- Dr. Stefan Ardeleanu
- Jon Cosme Cubas Díaz
- Solvejg Langer
Up4: Epigramme in und an byzantinischen Bauwerken Konstantinopels: Schriftbild und Materialität (4.–14. Jh.)
Das Unterprojekt beschäftigt sich mit Epigrammen in und an byzantinischen Bau- und Kunstwerken Konstantinopels des 4. bis 14. Jh. Im Fokus steht hierbei die Sammlung von Versinschriften in der Anthologia Palatina (AP). Die Epigramme wurden im 10. Jh. in die bedeutende Handschrift aufgenommen, deren Original (Cod. Pal. graec. 23) heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg liegt.
Projektteilnehmer*innen:
- Prof. Dr. Stephan Westphalen
- Solvejg Langer
Teilprojekt B 03
Administrative Textpraxis im mykenischen Griechenland. Zu den materialen und medialen Aspekten frühgriechischer Schriftlichkeit
In diesem Teilprojekt des Sonderforschungsbereich 933 „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typographischen Gesellschaften“ werden die formalen, praxeologischen und medialen Aspekte der Linear B-Tontäfelchen untersucht.
Im Gegensatz zu den bisherigen rein textimmanenten Ansätzen zur Deutung der Texte, die die Bedeutung des Trägers und des spezifischen sozialen Raumes der schriftlich fixierten Information ausgeblendet haben, wird im Rahmen des vorliegenden Teilprojektes ein Perspektivenwechsel in der Erforschung der mykenischen Linear B-Texte eingeleitet. Ausgangspunkt dieses neuen Blicks auf die Linear B-Dokumente ist eine digitale Datenbank, in der das Materialitätsprofil dieser Schriftträger systematisch erfasst wird. Auf dieser soliden Grundlage wird dann versucht, die intendierte kommunikative Absicht der Tontäfelchen (entweder als Datenspeicherung oder als Imperativ) zu erschließen. Diese umfassende medientechnische Betrachtung der autorlosen ‚Aufzeichnungsmaschinen‘ der mykenischen Palastadministration verspricht neue Erkenntnisse über die Grenzen und Möglichkeiten des Mediums ‚Schrift‘ im voralphabetischen Griechenland zu liefern.
Projektteilnehmer*innen:
- Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos
- Dr. Angeliki Karagianni
Teilprojekt A 10
Schrift und Bild in der griechischen Plastik: Exemplarische Untersuchung am Beispiel Athens und Olympias von der Archaik bis in die Kaiserzeit
Das Teilprojekt des Heidelberger SFB 933 „Materiale Textkulturen“ möchte durch die Analyse von Schrift im/am Bild in der griechischen Plastik den text-anthropologischen Ansatz des SFB 933 mit bildwissenschaftlicher Methodik verbinden.
Gegenstand der Untersuchung sind Inschriften an griechischen statuarischen Monumenten in ihrer Entwicklung von den Anfängen der griechischen Plastik bis in die römische Kaiserzeit. Das Projekt verfolgt nicht das Ziel vollständiger Materialvorlage, sondern ist komparatistisch auf den Vergleich der unterschiedlichen und sich diachron verändernden Bezugnahmen von Inschrift und Statue ausgerichtet. Im Sinne exemplarischer Fallstudien soll sich die Untersuchung auf zwei archäologisch und epigraphisch gut erforschte topographische Kontexte konzentrieren, deren reicher Befund an schrifttragenden statuarischen Monumenten sich jeweils auf den gesamten betrachteten Zeitraum erstreckt: die Polis Athen und das Heiligtum von Olympia.
Projektteilnehmer*innen:
- Prof. Dr. Nikolaus Dietrich
- Dr. Johannes Fouquet
- Prof. Dr. Corinna Reinhardt