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Wintersemester 2010/2011 bis Sommersemester 2014 Von Studierenden in Lehrveranstaltungen erstellte 3D-Modelle

Apollo-Grannus-Tempel von Faimingen (SS 2014)

Im Sommersemester 2014 wurde in einer Veranstaltung mit Studierenden ein römischer Tempel in Faimingen, Ortsteil von Lauingen an der Donau, nachgebildet, der vermutlich Apollo Grannus geweiht war.

Das Heiligtum wurde schon 1888 entdeckt und bald darauf ausgegraben. 1987 hat man am Originalplatz einen Teil der Anlage mustergültig wiederaufgebaut. Die hier gezeigten virtuellen Nachbildungen orientieren sich im Wesentlichen am Zustand des 2. Jahrhunderts n. Chr.

In der Mitte der symmetrischen Anlage stand ein Podiumstempel, der von Hallen bzw. einer Mauer umgeben war. Eine große Freitreppe führte zur Vorhalle. Je nach Bauphase wird im Norden eine geschlossene Rückwand oder offene Säulenhalle angenommen. Von einer Bogenkonstruktion ist am Haupteingang des Heiligtums auszugehen. Die genaue Form und der Übergang im Dachbereich zur straßenseitigen Halle sind genauso spekulativ wie Fenster am Gang im Süden. Im Osten, wo sich wohl das Forum der Stadt erstreckte, flankierte eine weitere Portikus den heiligen Bezirk.

Der Tempel wird aufgrund des Namens der Siedlung „Phoebiana“ mit Apollo Grannus in Verbindung gebracht. Phoebus ist ein Beiname des Apollo, der in Faimingen mit dem keltischen Heilgott Grannus gleichgesetzt wurde.

Literatur:

  • J. Eingartner u.a., Der römische Tempelbezirk Faimingen-Phoebiana (Mainz 1993)

Mithras-Heiligtümer (SS 2013)

Im Sommersemester 2013 erfolgte die 3D-Nachbildung exemplarischer Mithras-Heiligtümer im Rahmen eines Kurses für Fortgeschrittene. Das besondere Augenmerk galt dem meist vernachlässigten Aspekt der Beleuchtung.

Die Verehrung des Mithras war im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. im Römischen Reich weit verbreitet. Dies gilt besonders für den Raum links und rechts des Rheins. Die Kultstätten des Mithras gehören zu den wichtigsten Hinterlassenschaften der Römer in Deutschland.

Die Verehrung des Lichtgottes wurde in fensterlosen Räumen praktiziert, die manchmal in Felsen und natürlichen Höhlen angelegt wurden. Umso wichtiger war in der „Festung der Finsternis“, wie der Mysterienkult von Tertullian bezeichnet wurde (Über den Kranz des Soldaten 15), die Beleuchtung durch künstliches Licht wie vor allem Öllampen und Fackeln, aber auch Opferfeuer und vielleicht Kerzen. Doch auch Sonnenstrahlen, die durch eine Öffnung in der Decke ins Innere fielen, wurden gezielt eingesetzt. Zur Verdeutlichung des Aspekts wurde versucht, verschiedene Lichteffekte des Kults, in dem der Lauf der Sonne und Gestirne gefeiert wurde, nachzuempfinden.

Um das Licht in den Kultablauf zu integrieren, wurden in den Mithräen Altäre mit Nischen für Öllampen ausgestattet. Effektvoll von hinten angestrahlt, erschienen auf diese Weise die Motive Sonne und Mond. Auch dreieckige Aussparungen für die Aufnahme von Leuchtern sind überliefert. Hinzu kommen die bereits erwähnten Öffnungen in der Decke, durch die das Sonnenlicht vermutlich zur Sommer- und Wintersonnenwende das Kultbild mit dem Stier tötenden Mithras erleuchtete. Mit Fackeln werden zudem Cautes und Cautopates, die beiden Begleiter des Mithras, dargestellt.

 

Güglingen:


Das Mithräum II von Güglingen, das in Holzfachwerk errichtet wurde, besaß einen ebenerdigen Vorraum und einen etwas tiefer gelegenen Hauptraum. Der Kultsaal wurde von zwei längs gerichteten Podien geprägt. An seiner Rückseite befand sich das Kultbild, von dem lediglich die rechte untere Ecke erhalten blieb. Eine Besonderheit ist die in Bruchstücken erhaltene Decke, die weitgehend wiederhergestellt werden konnte. Sie bestand aus einem bemalten geometrischen Dekor aus Sechsecken und Rauten.

Mithrasthermen, Ostia:

Die Mithrasthermen von Ostia erhielten ihren Namen in der Neuzeit nach einem in den Gewölben entdeckten Mithräum aus dem 2. Jh. n.Chr. Hervorzuheben ist das rundplastische Kultbild des Mithras mit Stier, während üblicherweise Reliefs, seltener auch Gemälde zu finden sind. Eine weitere Besonderheit stellt der Lichtschacht in der Decke dar.

Modell des Mithräums aus den Mithrasthermen von Ostia mit nachgestellter Initiation des Heliodromus. Sonnenlicht fällt durch die Öffnung im Tonnengewölbe auf das Kultbild.

Saarbrücken:

Das Mithräum vom Halberg in Saarbrücken, von dem zwei Phasen vorliegen, stammt aus dem 2./3. Jh. n.Chr. Es wurde an einem natürlichen Felsen oberhalb einer römischen Talsiedlung errichtet. Die ehemalige Form kann aus Felsabarbeitungen und einigen wenigen Funden erschlossen werden. Daraus geht hervor, dass dieser Sakralbau im Unterschied zu anderen Mithräen im Innern von zwei Reihen Steinsäulen gegliedert war.

Carrawburgh:

Ein in Holzfachwerk gebautes Mithräum aus dem 3./4. Jh. n.Chr. liegt aus Carrawburgh in Nordengland vor. Es wurde 1949 in einer römischen Lagersiedlung entdeckt. Dem Innenraum lassen sich Holzstützen zuweisen.

Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Carrawburgh.

Martigny:

Das Mithräum von Martigny aus dem ausgehenden 2. Jh. n. Chr. wurde erst 1993 entdeckt und besticht durch zahlreiche Funde, die u.a. eine Rekonstruktion der Wandmalerei erlauben.

Rekonstruktionsvorschlag des Mithräums von Martigny.

Stockstadt:

In Stockstadt am Main wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in einer römischen Siedlung zwei Mithräen aus dem 2. und 3. Jh. n. Chr. freigelegt. Mehrere Altäre und weitere Kultgegenstände sind erhalten.

Villa rustica „Ziegelscheuer“ bei Ladenburg (SS 2012)

Als Übungsobjekt für eine 3D-Veranstaltung im Sommersemester 2012 diente die Villa rustica „Ziegelscheuer“ bei Ladenburg.

Der Gutshof, der sich im Süden der römischen Stadt Lopodunum befand, wurde in der 1. Hälfte des 2. Jhs. n.Chr. an einer Stelle errichtet, an der bis dahin eine neckarswebische Siedlung lag. Das Hauptgebäude der Villa rustica bestand zunächst aus Holz und einer einfachen Halle (Phase I), wurde um 200 n.Chr. jedoch von einem repräsentativen Stein-Fachwerkbau mit Risaliten und einer großen Portikus abgelöst (Phase II-III). Während das Hauptgebäude in der Phase I nach Süden ausgerichtet war, wurde die Front in Phase II um 90° nach Westen gedreht, so dass der Baukomplex seine visuelle Wirkung besser zum Neckar hin entfalten konnte.

Literatur: G. Lenz-Bernhard, Ladenburg-Ziegelscheuer (Rhein-Neckar-Kreis). Die neckarswebische Siedlung und Villa rustica im Gewann „Ziegelscheuer“. Eine Untersuchung zur Besiedlungsgeschichte der Oberrheingermanen, Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Lopodunum III (2002) 1 ff.; s. auch R. Gogräfe, Wandmalereien aus der Villa rustica „Ziegelscheuer“ bei Ladenburg a.O. 601 ff.

Die Teilnehmer des Kurses erarbeiteten zur Einübung verschiedener 3D-Techniken Rekonstruktionsvorschläge zum Hauptgebäude von Phase III. Hier einige Beispiele.

Steingebäude von Zafar (WS 2011/2012)

Im Jahr 2004 entdeckte ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. P. Yule, Universität Heidelberg, in Zafar einen großen Gebäudekomplex aus dem 1./2. Jh. n.Chr. Die Hinweise mehren sich, dass es sich bei dem „Steingebäude“ genannten Bauwerk um ein bedeutendes Heiligtum handelt. Im Wintersemester 2011/2012 bot sich die Gelegenheit, das Bauwerk aus dem Jemen, das bis zu einer Höhe von 2 m erhalten ist, im Rahmen einer Veranstaltung am Computer zu rekonstruieren.

Das Heiligtum liegt inmitten des Stadtgebiets von Zafar, der Hauptstadt des himyarischen Reiches, und erstreckt sich in einer Höhe von etwa 2800 m auf einer künstlichen Terrasse am Westhang des Husn Raydan. Die heute weitgehend freigelegte Anlage besteht aus einem sorgfältig gepflasterten Hof von ungefähr 15 m Breite, der auf der Nordseite von einer Dreiraumgruppe und auf der West- und Ostseite jeweils von einem Korridor eingefasst war. Auf der nicht ausgegrabenen Südseite wird der Haupteingang in Form eines großen Torbaus vermutet. Der mittlere Raum auf der Nordseite, der sich hinsichtlich Mauerbreite, Bautechnik und Gestaltung von den übrigen Gebäuderesten deutlich unterscheidet, diente vielleicht der Aufstellung eines Kultbildes.

Der Nachbildung voraus gingen die Auswertung der Grabungsberichte und Vergleiche mit anderen altsüdarabischen Kultbezirken. Zu den größten Herausforderungen bei der Modellierung zählte die Ermittlung der Gebäudehöhe.

Kaisertempel von Salagassos (WS 2010/2011)

Anreiz zur Einführung in das Thema 3D war im Wintersemester 2010/11 die Anfertigung eines virtuellen Modells des sog. Tempels für Antoninus Pius in Sagalassos, das zugleich als Beispiel dafür dient, wie eine 3D-Rekonstruktion mittels Computer zum besseren Verständnis römischer Urbanistik beitragen kann.

Sagalassos war die bedeutendste Stadt von Pisidien in Kleinasien in hellenistischer und römischer Zeit. Die Polis bildete das Zentrum der Kaiserverehrung. Dabei entwickelte sich der zunächst für Hadrian konzipierte und bei Fertigstellung dann Antoninus Pius geweihte Sakralbau zum deutlichsten Ausdruck des Kaiserkults und wichtigsten Tempel von Sagalassos.

Diese Bedeutung lässt sich an der Architektur, räumlichen Disposition und städtebaulichen Einbindung gut ablesen. Wie bei vielen anderen Sebasteia auch spielte die Sichtbarkeit innerhalb des Stadtgebietes und die Fernwirkung unter geschickter Ausnützung der Topographie eine entscheidende Rolle im antiken Konzept des Bauwerks.