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Nachruf Prof. Dr. Caterina Maderna

1955-10.10.2024

Die Nachricht vom Tod von Prof. Dr. Caterina Maderna, langjährige Kollegin und inspirierende Dozentin für Generationen an Studierenden, traf uns am 10.10.2024 unvorbereitet. Wer hätte es schließlich erwarten können, dass ihre sprudelnde Energie so plötzlich versiegen würde? 

Als Caterina Maderna 2010 die Vertretung der Professur für Klassische Archäologie nach Tonio Hölschers Emeritierung antrat, war dies für sie eine Rückkehr ans Heidelberger Institut. Dort hatte sie schließlich studiert und wurde 1982 promoviert, als das Heidelberger Institut unter Hölschers Leitung im Aufbruch war und daran ging, die Klassische Archäologie in Deutschland zu erneuern. An einer entscheidenden Front dieser Erneuerung, nämlich der Hinwendung zur römischen Plastik, war auch Caterina Maderna aktiv, als sie in ihrer Doktorarbeit die Verwendung klassischer Götterstatuentypen im römischen Porträt untersuchte. Sie erschien 1988 mit dem dissertationstypisch sperrigen Titel Iuppiter, Diomedes und Merkur als Vorbilder für römische Bildnisstatuen. Untersuchungen zum römischen statuarischen Idealporträt. Diese Monographie legte das Fundament für ihr Renommée als Expertin für antike Plastik. Die Sprödigkeit des wissenschaftlichen Stils, die man dieser nach allen Regeln deutscher Plastikforschung verfahrenden Doktorarbeit wahlweise lobend oder kritisch attestieren mag, hat Caterina Maderna in ihrer weiteren Publikationstätigkeit abgelegt, und dies durchaus bewusst. In Peter Bols Handbuch zur Geschichte der griechischen Bildhauerkunst gehören ihre Kapitel definitiv zu den inspirierendsten. In ihrem umfangreichen und vielfältigen Oeuvre arbeitete sie neben der antiken Plastik zu beinahe allen wesentlichen Gattungen der römischen Kunst. Stets am Verhältnis von Kunst und Geschichte interessiert, war Caterina Maderna in ihrer Forschung klar Teil der sog. ‚Heidelberger Schule‘ und verkörperte durch die ihr eigene intellektuelle Energie sehr gut den Aufbruch, den diese Neuorientierung des Faches zu Recht für sich beanspruchte. 

Doch für die sterile Rolle einer Musterschülerin war sie schlecht geeignet: zu offen im Kopf, klaren Grenzziehungen eher abgeneigt, nicht genügend ausschließlich am Sinn, sondern eben auch an der Sinnlichkeit (manche sagen auch: Ästhetik) antiker Bildwerke interessiert. Anders als viele Klassische Archäologen ihrer Generation in Deutschland, die das Museum als Institution und überhaupt die neuzeitliche Rezeption klassischer Antike in ihrer Ablehnung des klassizistischen Erbes des Faches mit mehr oder weniger expliziter Geringschätzung straften, war Caterina Maderna stets an der Museologie und am dynamischen Nachleben der Antike interessiert. Stellvertretend sei hier nur ihre Beteiligung an der großangelegten Publikation der Sammlung Albani, ihre Beschäftigung mit der Sammlung Erbach, sowie ihre maßgebliche Mitarbeit an einigen der ambitioniertesten Ausstellungsprojekten der letzten Jahrzehnte (z.B. Kaiser Augustus und die verlorene Republik, Martin-Gropius-Bau 1988) erwähnt. Auch die vielfach gepflegte Abgrenzung der Klassischen Archäologie von der Kunstgeschichte war ihr keinerlei Bedürfnis. Schließlich bezog sie auch im Generationen-Thema der Gender-(Kunst-)- Geschichte eine ungewöhnliche, für ihr wissenschaftliches Temperament aber charakteristische Position: kein anachronistisches Anprangern griechisch-römischen Patriarchats, ebenso wenig Schönfärberei, keine Klagen über die Ohnmacht, lieber Darlegung der Kraft und Handlungsmacht weiblicher Anmut im Bild und in der Gesellschaft. Kurz gesagt: Sie wählte den Weg des Empowerments. 

Prof. Dr. Caterina Maderna

In ihrer an Stationen reichen wissenschaftlichen Vita währte(n) die Heidelberger Zeit(en) am längsten. Ihrem außergewöhnlichen Engagement als Vertretungsprofessorin zwischen 2010 und 2015 ist es zu danken, dass die lange Vakanz bis zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls das Institut nicht in die Krise gestürzt hat. Die große Zahl an von ihr betreuten Heidelberger Dissertationen zeigt eindrücklich, welche Anziehungskraft ihre inspirierende Lehre und Forschung hatte, aber auch welche außergewöhnlichen Fähigkeiten sie im wertschätzenden Mentorieren von Nachwuchswissenschaftler:innen hatte. Mit nicht zu bremsender Energie führte sie auch nach 2015 als festangestellte Mitarbeiterin ihre Arbeit für das Fach und für ihre Vision kollegialen Miteinanders aller am Institut fort (Hierarchien spielten für sie nie eine Rolle). Sie blieb ein echter Stützpfeiler des Instituts bis zu Ihrem Ruhestand 2022. 

Ruhestand? Davon wollte Caterina Maderna eigentlich nichts wissen. Sie lehrte einfach weiter, stand mit Rat und Tat vielen zur Seite, auch als die Krankheit bereits um sich griff. Diese hat es verhindert, dass sie sich im gewünschten Ausmaß der Drucklegung ihrer Habilitationsschrift zu den Giganten in der antiken Kunst widmen konnte. Es wird uns eine Ehre sein, diese Monographie, in der viele der bestimmenden Themen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zusammenkommen, in der Institutsreihe Archäologie – Kultur – Theorie postum zu veröffentlichen, ebenso wie dort die längst fälligen Akten der von ihr geleiteten großen Tagung zur Romanisierung von 2017 erscheinen werden. Ihr früher Tod riss Caterina Maderna wahrlich aus der vita activa heraus, der sie sich verschrieben hatte. Ihre positive Ausstrahlung, bunte Erscheinung, Zugewandtheit und Menschenfreundlichkeit werden uns fehlen. 

Das Heidelberger Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie